"Dein Termin für die finale Auswahlrunde ist der 04.05.2017, 14:30h!"

 

Da war er, mein Termin. Jedes Mal wenn eine Email von The Voice kam, stolperte mein Herz und ich freute mich einfach so wahnsinnig, da es mir doch kaum jemand richtig zutraute. Immer wieder bekam ich den Seitenhieb dass ich doch gar nicht so toll singen würde, ich würde nur gebucht werden weil ich nett aussehe.

Und ich genoss dieses Gefühl, endlich ein bisschen belohnt zu werden für die letzten Jahre durch die ich mich als Sängerin durchgeboxt habe. Selbst in meinen kurzen 4 Jahren, in denen ich nun als Sängerin arbeite, hab ich so viel Missgunst, Neid, Hass erlebt. Klar war auch ich oft in dieser Zeit enttäuscht und auch neidisch, wenn jemand etwas erreicht hat, dass ich selbst gerne erreicht hätte. Aber ich beschloss einfach, dass meine Zeit schon noch kommen würde und irgendwie war sie es für mich ab dem Zeitpukt des erreichten Interviews im Städtecastings.

 

Bei der finalen Auswahlrunde erwarteten mich und die anderen Talente ein volles Tagesprogramm.

Jeder hatte eine andere Reihenfolge der Etappen, bei mir begann der Tag mit den Gesprächen zu den Verträgen. Bei Unklarheiten oder Fragen konnten wir uns in aller Ruhe nochmals im persönlichen Gespräch informieren und austauschen.

 

Danach ging es zu einer kurzen Presserunde. Wie verhält man sich gegenüber der Presse, wie gehe ich bei Interviewanfragen vor, etc.

 

Nach der Presse ging es zu den lieben Mädels vom Styling, die man schnell ins Herz schloss. Wir durften Outfits vorschlagen, unsere eigenen mitbringen oder wir bekamen etwas aus dem riesen Fundus. Ein Traum für alle Mädchen, es gab Schuhe, Klamotten, Schmuck in Hülle und Fülle.

 

Nach dem Styling durfte ich nun endlich singen. Zunächst ging es zu einem Vocalcoach in den Musikraum. 20 Minuten waren hierfür eingeplant, alle 3 Songs wurden hier kurz durchgehört und besprochen. Hier lernte ich Tina kennen. Eine ganz liebe Gesangslehrerin, ein Sonnenschein - das merkte ich aber erst sehr viel später, denn am Tag der finalen Auswahlrunde habe ich sie noch verflucht :-)

Wir gingen meine Songs durch und sie änderte bei 2 Songs die Tonlage. Ich hatte mir extra Höhepunkte und Schwierigkeiten in die Songs eingebaut, dass sie nicht so eintönig sind und ich mehr von meiner Stimme und meinem Tonumfang zeigen kann. Doch das war nun auf einmal alles futsch, denn diese selbst eingebauten Höhen würde ich nun nicht mehr sauber erreichen können.

Leider lies es die Zeit dann nicht mehr zu, alle 3 Songs im Ganzen zu singen und so wurde ich etwas ins kalte Wasser geworfen. Panik kam schon wieder auf. Aber dafür blieb nicht viel Zeit - es ging zum wichtigsten Teil des Tages - der Audition.

 

Sehr gemütliche hatte es die Musikredaktion im Zimmer der Audition. Überall standen Sofas, eine Kamera zeichnete alles auf. Ich habe keine Ahnung mehr, wie viele Leute in dem Raum saßen. 8? 10?

Ich wurde gefragt ob ich mit den Titeln zurecht kam. Aber sicher! :-)

 

Und schon ging es los mit Amazed. Ich sang den Song zur Hälfte, versuchte viel Gefühl und Sicherheit in den Song zu legen. Dann Song 2: Weinst Du. Gleiches Spiel. Viel lächeln, viel Gefühl, viel Sicherheit und Selbstbewusstsein. Passte. Song 3 - mein anderes Arrangement. Das Playback ging los und schallendes Gelächter kam von den Sofas. Aber ich glaube der Überraschungseffekt war ganz gut. Es lockerte etwas auf, ich wr erst mal erleichtert dass mich keiner stoppte und sang den Song mit Schubidu und Trallala. Schwungvoll wollte ich das Mikrofon aus dem Ständer nehmen und das Stativ zur Seite stellen. Erstes gelang ganz gut aber der Ständer stand dann auf einem Kabel und knallte zurück. Hups :-) Peinlich. Egal :-)

 

Nachdem alle Songs vorgetragen worden waren, wurde ich nach meinem Lieblingstitel gefragt. Ich meinte dann, ob ich ehrlich sein darf. Das sollte ich dann auch sein. Und ich sagte dass kein Song ein Favoriten Titel von mir war, begründete dann auch warum und meinte, dass ich deswegen auch ein anderes Arrangement genutzt habe, um mir "Hot n cold" mehr zu meinem Titel zu machen. 

 

Somit war die Audition dann zu Ende und ich hatte noch eine Etappe vor mir: das Interview.

 

Im Interview waren dieses Mal andere 2 Mitarbeiter von Talpa, was es aber nicht weniger witzig und interessant machte. Die Fragen waren ähnlich, gingen aber mehr ins Detail. Und das Wichtigste: Es gab wieder Schokolade :-) Das zog sich durch die ganze The Voice Geschichte, angefangen beim Casting über sämtliche Etappen der finalen Auswahlrunde - überall gab es Essen und Süßigkeiten :-)

 

Das Interview war ein super schöner Abschluss des Tages, denn die ganze Anspannung, die Gefühle die man durchlebt von Aufregung über Ärger, Müdigkeit, Freude, Wut (über mich selbst), Erleichterung und das alles im Minutentakt, macht einen fix und fertig. Noch dazu hatte ich 7 Stunden Anreise und es ging danach gleich auch wieder mit dem Auto zurück nach Stuttgart.

 

Bei der finalen Auswahlrunde lernte man außerdem Unmenge an begabten Teilnehmern kennen. Ein Typ lief bestimmt 20x an mir vorbei und grinste jedes Mal, er fiel aus der Masse ziemlich auf. Was ich erst sehr viel später mitbekam - das war Mellowmark, Reggae Musiker der bereits einen Echo gewonnen hat. Außerdem waren dort noch Philip, Sofia, und viele Weitere liebe Sänger und Sängerinnen, die mein Leid, meine Freude, Furcht, Angst und Hoffnung teilten.  

 

Und nach diesem Tag hieß es dann wieder: Dabei oder nicht? Hast Du es in die Blind Audition geschafft oder ist die Reise nun endgültig zu Ende? Egal was kommt - das Erlebnis nimmt einem niemand mehr! Was für ein toller, aufregender und spannender Tag ... warten wir auf die nächste Email. Wann die kommt? Weiß man noch nicht...